Tag 24 - Freitag - 12.10.2018
Sunrise: 07:02   Sunset: 18:27

Bridgeport, CA - Yosemite NP - Bridgeport, CA

Die Nacht war ok, es war ein bisschen kalt, aber mit unserer eigenen Decke ging es, da konnten wir uns ohne uns zu ekeln reinkuscheln.
Gegen 06:00 Uhr sind wir heute raus, haben uns fix angezogen und mit den dicken Jacken am Körper gefrühstückt.
Heute Nacht waren zum ersten Mal Minusgrade.
Dafür war der Himmel wieder wolkenlos.

Unser Vorhaben war im Prinzip bis zuletzt unklar. Jetzt muss ich ein wenig ausholen.

Wir waren auf bisher 19 USA-Reisen – davon waren 7 in den Westen – noch nie im Yosemite Nationalpark. Auf der Südwest-Rundreise 2009 war der Park zuerst geplant, zu dem Zeitpunkt war aber der Tioga Pass noch geschlossen, also flog der Park wieder aus der Route.

2011 war Yosemite noch mal geplant, dann haben wir uns aber entschlossen, mehr Augenmerk auf den Süden des Westens zu legen, auch wieder aufgrund der frühen Reisezeit von April/Mai.

2014 waren wir im September unterwegs, da hieß es immer in Reisberichten und nach der Meinung von anderen: „Im September muss man nicht in den Yosemite, da sind die Wasserfälle trocken und außerdem schaut es da eh aus wie bei uns in den Alpen.“

Nun gut, also blieb dort bis heute eine Lücke. Auch heute Morgen waren wir uns noch nicht sicher, ob wir diese füllen werden.

Es ist Freitag und bekanntermaßen geht das Wochenende los, das heißt, mit uns werden 1000 unterwegs sein, noch dazu bei dem Bombenwetter.
Das merkten wir auch schon beim Tanken in Bridgeport. Wir reihten uns in die Schlange von Subaru fahrenden Hipsters ein.

Ich hatte zuvor in dieser Ecke eine ganze Liste an tollen Hikes herausgesucht, denn die Möglichkeiten von Wanderungen sind hier schier unendlich. Eigentlich muss man nicht in den Yosemite NP, um schöne Natur zu erleben.
Sollen wir zum Virginia Lake oder zum Lundy Lake oder noch mal zum Twin Lake oder zum Saddlebag Lake oder gar nach Norden zum Topaz Lake???

Ehrlich gesagt war ich überfordert. Mario konnte auch nicht viel beitragen, da er ja im Vorfeld nicht recherchiert hatte. Er wollte etwas laufen, aber nicht zu viel, zudem tolle Motive fotografieren. Macht es einerseits einfach, anderseits keine große Hilfe in der Entscheidung.

Zumindest haben wir uns auf dem Weg auf der 395 nach Süden schon mal für die Richtung entschieden und nach einer Weile im Auto sitzend auch dafür, dass wir zumindest mal ein Stück auf der Tioga Road fahren wollen. Auch aus dem Grund, weil sich hier eine der Wanderungen befindet, die sich für uns als passend anhört.
Eine Runde um den Saddlebag Lake, mit ca. 7 km eine gute Länge.

Aber erst machen wir einen Abstecher zum Virginia Lake. Vom See sieht man leider nicht viel. Wenn wir hätten hiken wollen, hätten wir keinen Parkplatz mehr bekommen, Wahnsinn, wie voll das schon ist, so früh am Morgen.

Da heute die Sicht auf den Mono Lake besser ist als gestern, stoppen wir kurz am View Point.

Dann geht es unmittelbar hinter dem Ort Lee Vining auf die Tioga Pass Road.
Schon auf den ersten 20 km haben wir eine fantastische Aussicht auf die Berge und auf bunt gefärbte Espengruppen.

Nachdem wir den Tioga Pass überquert haben, biegen wir nach rechts in die Saddlebag Lake Road ein.
Auf dem Parkplatz ist es noch nicht so voll, uns ist auch schnell klar wieso, denn hier gibt es keine Espen. Die meisten Leute sind auf Jagd nach der Laubfärbung.

Uns ist es recht, wir wollen hauptsächlich laufen. Zudem gefällt uns der See und die Landschaft drum herum, die eher von Kargheit und von feuchten Auen geprägt ist, sehr gut. Zwischendurch wächst auch mal ein verdrehter alter Baum. Bunte Wälder haben wir ja im Prinzip auch bei uns ums Eck.

Wir genießen jeden Meter des Rundwegs um den blauen See. Wir begegnen keinem Menschen.

Am Ende geht es noch über den Damm, dann sind wir nach 1:50 Stunden wieder am Parkplatz.
Da Mittagszeit ist, essen wir eine Kleinigkeit.

Nachdem wir die Saddlebag Lake Road wieder runtergefahren sind, ist die Entscheidung jetzt gefallen: Wir fahren in den Yosemite NP, weit ist es jetzt eh nicht mehr.

Wir zeigen am Eingang unseren Nationalparkpass vor. Das Parkschild haben die hier wohl vergessen, schade. Oder wir haben es übersehen.

Allmählich sind die Straßen gut gefüllt und es ist schwer, an den Hideouts und Parkplätzen noch einen Platz zu finden. Das tolle Wetter zieht natürlich die Leute raus. Einerseits die Touristen, die eh immer zahlreich vorhanden sind, andererseits Einheimische für ihren Wochenendausflug.

Wir stoppen kurz am Lembert Dome.

Dann am Tenaya Lake. Am See müssen wir zusehen, dass wir einen Spot finden, der noch nicht von irgendeinem anderen Fotografen oder von großen Asiatengruppen, die ein Picknick veranstalten, belegt ist.

Toll liegt er da, der grandiose See, mit den Steinen im Wasser mit einer schönen Spiegelung. Gefällt uns gut hier, wenn da nicht das laute Schmatzen der Asiaten wäre, könnte man sogar ein bisschen die Idylle genießen.

Nächster Stopp Olmsted Point – Gegenlicht, aber ein erster Blick auf den Half Dome.

Jetzt geht es weiter über eine lange, sehr öde Strecke durch waldiges Gebiet, es zieht sich extrem. Durch viele Autos, die teils übervorsichtig fahren, kommen wir zudem langsam voran.

Eine Stunde später haben wir dann den nächsten Viewpoint mit Blick auf den Half Dome erreicht. Ich weiß nicht mehr, wie der Spot heißt, wir haben immer noch Gegenlicht.

Dann teilt sich die Straße – wir müssen uns entscheiden, ob wir ins Yosemite Valley fahren oder weiter nach Süden und dann zum Glacier Point. Aufgrund der Uhrzeit entscheiden wir uns für den Weg ins Valley.
Jetzt wird es richtig voll, neben den Autos kommen auch noch die Touristenkarren hinzu.

Immerhin wird der Blick auf den Half Dome noch mal schöner. Sogar einen Wasserfall gibt es zu sehen. Ist es der Bridalveil Fall? Glaube ja.

Nach diesem Stopp fahren, nein fahren ist übertrieben, schleichen wir mit 10 km/h ins Valley zum Parkplatz des Mirror Lake. Der Plan war, um den See zu laufen, damit wir immerhin, wo wir schon mal da sind, doch noch was zu sehen bekommen vom Park.

Leichter gesagt als getan, es ist jetzt nicht mehr klar, ob wir noch weiterfahren dürfen. Es stehen Schilder herum, auf denen steht: nur noch Shuttlebusse, aber andere PKW fahren noch weiter. Also fahren wir mal hinterher.
Am Ende der Straße ist der überfüllte Parkplatz zum Mirror Lake und für den Campingplatz. Campingplatz wäre untertreiben, es ist eine Campingstadt.
Das ist uns hier echt zu voll.

Wir hätten zwar noch einen Parkplatz erhascht, jedoch kommt hinzu, dass man wohl sein Essen in eine der Bärenboxen packen muss. Dazu haben wir ja grad gar keine Lust.
Wir verstehen auch nicht, ob jetzt auch Hiker ihr Food dort ablegen müssen, oder ob es nur Leute betrifft, die campen, andererseits haben die Camper neben ihren Zelten zusätzliche Boxen stehen.

Und wie geht das? Hat jedes Auto eine eigene Box oder muss man sich die teilen, was ist, wenn jemand unsere Kühlbox rausnimmt? Nö, wir lassen das.

So steigen wir wieder ins Auto und fahren durch das Valley zurück.

Jetzt müssen wir eine andere Strecke fahren, so kommen wir am El Capitan vorbei. Wir wundern uns über die vielen Leute, die alle nach oben gucken. Zum Teil haben sie auf einer Wiese ihre Stühle aufgebaut und sitzen dort mit Ferngläsern.

Bären, Bergziegen? Nö, nur Bergsteiger.
Mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Aber dafür haben wir ja 600 mm.

Inzwischen ist es schon halb 5 Uhr und uns fällt ein, dass wir ja noch gut
drei Stunden für den Rückweg benötigen. Gut, dass wir nicht noch um den See gelaufen sind, das wäre sonst zeitlich alles knapp geworden. Mario hat keine große Lust, die Tioga Road im Dunklen zu fahren.

Wir machen uns auf den Weg und fahren fast ohne Pause zurück zum Mono Lake. Uns kommen noch einige 100 Fahrzeuge entgegen, wo sollen die noch alle hin, der Park war doch jetzt schon voll, unglaublich.

Unterwegs treffen wir eine Gruppe von jungen Leuten, die mit einem GLE unterwegs sind. Da sie am gleichen Platz kurz anhalten wie wir, bittet Mario sie um ein Autofoto. Machen sie gerne. Mal so als Vergleich.

Als wir am Mono Lake ankommen, ist die Sonne schon weg und der Himmel färbt sich rosa, daher sprinten wir noch mal kurz zum See runter. An diese Stelle gibt es leider keine großen Tuffas, ist trotzdem schön.

Nach Bridgeport fahren wir immer noch 45 Minuten, dort kommen wir gegen 19:15 Uhr an, machen den Tahoe wieder voll mit teurem Sprit, damit wir das schon für morgen früh erledigt haben.

Unser Abendessen nehmen wir im Zimmer ein, da wir keine Lust haben auf überteuertes Essen in Bridgeport.

Wir kuscheln uns wieder ins Bett, lassen den Tag mit Fotosgucken Revue passieren und sind zum Glück so müde, dass wir schnell einschlafen.

Was den Yosemite NP betrifft, bin ich noch zwiegespalten am Abend. Landschaftlich ist die Tioga Road in Teilen wunderschön, allerdings sieht man auch auf weiten Teilen nur Wald.
Im Valley ist es eng und wohl meist voll. Den anderen Teil konnten wir jetzt nicht erkunden, und wir sind uns sicher, dass man bei viel Zeit auch extrem gut wandern kann in dem Park.

Ob wir noch mal wiederkommen? Mal sehen, wenn, dann aber sicher im Frühling, und dann von Westen, denn über den Tioga Pass müssen wir jetzt nicht noch mal fahren.

Hotel: Bridgeport Inn - Bridgeport, CA
Bewertung: schlecht -
Bemerkung: schlecht, unfreundlich, viel kaputt: Wasserhahn, Heizung, Fernbedienung
Wetter: Nachfrost 26°F (-3°C) am Morgen - Nachmittags sonnig und 73°F (22°C)
Sights: Saddlebag Lake, Tioga Pass Road, Yosemite NP
Wanderungen: Saddlebag Lake Trail
Abendessen: Nudelsuppe im Zimmer

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