Tag 9 - Donnerstag - 27.09.2018
Sunrise: 06:44   Sunset: 18:38

Elko, NV – Tuscarora, NV - Unionville, NV

Elko und auch den Lamoille Canyon lassen wir heute hinter uns. Wir haben ein tolles Juwel entdeckt, zu dem man sicher noch mal zurückkommen kann.
Am Morgen gehen wir wieder zum Albertson, wo uns dieselbe Verkäuferin an der Kasse wie gestern begrüßt, sie knüpft sogar an das Gespräch von gestern an. Wir fallen wohl als Fremde auf in diesem Ort, so dass sie sich unsere Gesichter merken konnte.

Da wir heute wieder ein paar Orte ansehen wollen, die nicht an der Interstate liegen, fahren wir gar nicht erst auf die Interstate 80, sondern begeben uns auf die 225 nach Norden. Nach ca. 10 km zweigt die 225 nach Westen ab, die Straße führt nach Tuscaroa.

Kurz vor Tuscarora wird die bisher noch gut geteerte Straße zur Dirtroad und das bleibt sie auch für die heutige Tour für weitere 127 km. Wir hoffen, dass der Reifen hält.

Tuscarora ist eine alte Minenstadt in Nevada im Elko County. Der Name ist indianisch und bezeichnet ein Indianervolk der Irokesen. Die Tuscarora-Indianer lebten allerdings nicht in Nevada, sondern in NC und Virginia und sind dann später nach New York übergesiedelt. Der Goldsucher William Heath versuchte hier sein Glück, das wertvolle Metall zu finden. Daraufhin strömten Minenarbeiter und Bergleute in den Ort, legten dort eine Mauer und einen Wassergraben an, um den Ort vor Razzien der Indianer zu schützen. Chinesische Bergleute und Angestellte der CPR (Railroad) zogen in die Stadt. Man fand dort kein Gold, sondern Silbererz. 1871 wurde ein Postoffice gegründet. Klick auf das Bild für mehr Infos zur Ghosttown.

Wir treffen keine Menschenseele, ab und zu bellt ein Hund, aber wir sind in diesem Ort ganz alleine, so wie wir es mögen.
Alles wird erkundet, wir fahren jede Straße ab, auf der nicht „privat“ steht und machen so viele Fotos, wie es geht.

Nach ca. 45 Minuten sind wir fertig und verlassen den Ort. Wir folgen der gut ausgebauten Schotterstraße weiter nach Westen. Wir sehen Pferde, Kühe und auch mal einen Pick-Up, aber nicht sehr oft.

Die Landschaft ist schön, nach ca. 2 Stunden kommen wir am Willow Creek Reservoir an, von einem großen See ist zurzeit nur ein kleiner Tümpel übrig.

Eine weitere Stunde über die holprige Dirtroad später sind wir in Midas angekommen, es soll auch eine Ghosttown sein, aber hier in Nevada sind fast alle Ghosttowns noch bewohnt. Zum Teil sind die Minen auch noch in Betrieb. Kurz geht es die Hauptstraße hoch und runter, alle Häuser, die nicht bewohnt scheinen, lichten wir ab.
Leider ist das Licht nicht optimal, denn heute scheint schon wieder den ganzen Tag die Sonne und keine Wolke ist in Sicht. Das ist tolles Wetter, doch für Fotos finden wir das langweilig.

   Ein paar Bilder von Unterwegs

Als wir Midas hinter und lassen, müssen wir nicht mehr zu weit fahren und landen wieder auf der Interstate 80, schon fast in Winnemuca. Der eine Reifen hält immer noch, allerdings macht der andere hintere Reifen Mucken, bzw. verliert er etwas Luft, aber nur ganz langsam. Wir machen damit nichts, sondern füllen eben ab jetzt jeden Morgen mit dem Kompressor Luft nach. Sollte sich das verschlimmern, müssen wir in Reno das Auto tauschen. Vorher bleibt uns eh nichts anderes übrig, als damit zu sein.

In Winnemucca steigen wir aus und gehen die Mainstreet, an der sich einige Casinos und Hotels befinden, auf und ab.
Aus einer der Kneipen kommt ein Typ raus zum Rauchen, der fragt uns: „Taking pictures or what, how many films do you have?“ Ganz geschockt von seiner Frage fällt uns spontan keine Antwort ein – da er nicht auf unser Bild möchte, verzichtet er auch auf seine Zigarette und verschwindet wieder im Inneren der Kneipe.

Winnemucca enttäuscht uns etwas, hier sollte heute ein Hotelzimmer 160$ in der Candlewood Suites und im Holiday Inn sogar 180$ kosten, daher habe ich drauf verzichtet, hier etwas zu buchen – ich frage mich nur, warum es hier so teuer ist. Es ist ein unscheinbares, kleines Kaff. Ich hatte eine größere Stadt mit Highlights erwartet.

Etwas hinter Winnemucca an der Autobahn gelegen befindet sich eine Roadside Attraktion, wegen der man sicher keinen Umweg fahren muss, aber wenn wir schon mal hier sind, stoppen wir natürlich.
Es ist der Thunder Mountain Park – wieder eine kleine Enttäuschung, alles Interessante ist eingezäunt. Ein paar Bilder von allem Zugänglichen machen wir trotzdem.
Besser als kein Highlight ist es allemal.

Im Thunder Mountain Monument kann man sich eine Sammlung von außergewöhnlichen Kunstskulpturen und architektonischen Formen ansehen, die Frank Van Zant ab 1969 nach seiner Ankunft in Imlay, Nevada, zusammengestellt hatte. Das Monument befindet sich entlang von I-80 in der Nähe des Ortes Imlay und weit von Winnemucca, NV

Frank Van Zant, ein Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg ursprünglich aus Oklahoma, hatte in der 7. Panzerdivision gedient, in mehreren Feldzügen in Europa gekämpft und war in einer Panzerschlacht vor Leipzig schwer verbrannt worden.
Als selbsternannter Creek-Indianer nahm er den indianischen Namen Rolling Mountain Thunder an, nachdem er eine Epiphanie erfahren hatte.

Klick auf das Foto für mehr Infos.

Jetzt kommt die Übernachtung auf der ganzen Reise, auf die ich am meisten gespannt war. Und zwar buchte ich uns ein Zimmer in einem B&B in Unionville, einer weiteren Nevada Ghosttown. Erst mal krass, dass es in dem Kaff überhaupt eine Unterkunft gibt, aber durch Airbnb und VRBO etc. gibt es mittlerweile im Überall und Nirgends Unterkünfte zu buchen. So eben auch in Unionville.

Von Winnemucca aus ist es nicht so weit. Wir sind gespannt.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir den Ort, zuerst, da sonst das Licht ganz weggeht, suchen wir die Überreste der Geisterstadt, wir finden gar nichts. Wir fragen einen Mann, der gerade in seinem Garten arbeitet, er sagt, es existiert praktisch keine Ghosttown, es gibt einen kleinen Park mit einem Ziegelhaus, das war es. Und es gibt eine Kirche, die wir auch sehen, die aber zu einem Wohnhaus umgebaut wurde.

Auf dem Weg zu dem Park kommen wir an dem Schild für unsere Unterkunft vorbei, es ist ein Schuppen. Nee, nee, das kann ja nicht sein; wir sind kurz davor, einfach umzudrehen und doch nach Winnemucca in die Candlewood Suites zu fahren.

Aber gucken wir erst mal. Schnell ein Bild vom Ziegelhaus im Park gemacht, dann geht die einzige Straße zurück zum B&B. Als wir aussteigen und blöd rumgucken, spricht uns eine Frau an und sagt, wir sollen zu Mike gehen, der wartet schon auf uns.

Mike arbeitet an einem anderen Haus auf dem Dach. Als er uns kommen sieht, steigt er runter und fragt, ob einer von uns Mario ist. Ja. Wir haben eine Buchung.

Er freut sich uns zu treffen und sagt uns, dass unser Haus ein Stück die Straße runter ist und wir Glück haben, weil wir die einzigen Gäste sind. Das ist ja schon mal gut. Es ist nicht der Schuppen. Die einzigen Gäste? Wir dachten nicht, dass wir eine Gemeinschaftsunterkunft gebucht haben.

Mike fährt vor uns ca. 150 Meter weiter, hält vor einem Tor und steht dann vor einem kleinen Haus.
Das ist es also. Ok, von außen geht es. Ganz urig eigentlich.

Wir gehen mit Mike rein und reden drinnen über alles Mögliche. Mike ist in Fürstenfeldbruck aufgewachsen und spricht etwas deutsch und kennt sich in Deutschland ganz gut aus. Er erzählt uns auch etwas über Unionville, zum Beispiel, dass Arbeiter aus Dortmund und Essen, aber auch viele Chinesen hier beim Bergbau geholfen haben.

Das wussten wir nicht. Man lernt ja nie aus. So vergehen sicher 15 Minuten, wir hatten noch keine Zeit uns umzugucken, wir sagen dann sogar für das Frühstück um 08:30 Uhr zu.

Als Mike weg ist, inspizieren wir das Haus näher, das hätten wir mal besser nicht gemacht. Oberflächlich ist alles sauber, aber wirklich nur oberflächlich, in den Ecken finden wir riesige Spinnweben und Staubfusseln und andere Flecken. Im ganzen Haus, vor allem an den Fenstern, sind 10000 von Fliegen und anderes Getier zu finden. In den Ecken stehen Mausefallen.

Das Bad ist nicht sauber, aber so gar nicht, und die Hälfte der Lichter geht nicht an. Handtücher gibt es, die schauen so aus wie die abgelegten der Familie, sie haben ausgefranste Ränder und sind fleckig. Riechen tun sie zwar gewaschen, aber 100% sicher sind wir nicht.

Sicher, es ist ein altes Haus. Und wir haben auch keinen Luxus erwartet, aber Sauberkeit sollte doch auch hier möglich sein.

Wir überlegen wirklich, ob wir hier bleiben sollen. Wir entscheiden, es die Nacht auszuhalten, vor allem auch, weil wir gar nicht wissen, ob wir in Winnemucca überhaupt ein Zimmer bekommen, denn wir haben auch kein Internet hier, um die Hotellage zu checken.
Frühstücken wollen wir dann doch nicht. Wir fahren kurz zum Haus von Mike zurück und sagen ihm das Frühstück ab.

Um unsere Abendbeschäftigung ohne W-Lan und TV müssen wir uns keine Gedanken machen, denn wir haben vor, alle Fliegen und sonstiges Getier zu töten.
Wir bewaffnen uns mit Fliegenklatschen, von denen es im Kämmerchen wohlweislich einige gibt, und jagen die Viecher.
Yes, das tapfere Schneiderlein wäre stolz auf uns, wir schaffen des Öfteren sieben auf einen Streich, denn diese Viecher sind keine normalen flinken Stubenfliegen, sondern sie sind sehr träge. Ob diese Fliegen, oder was das sind, stechen, wissen wir nämlich nicht, daher darf keine überbleiben.

Nach ca. 45 Minuten ist im Haus alles tot, das sichtbar war. Im Badezimmer und in der Küche machen wir mit unserem Hygienespray und der Küchenrolle ein bisschen sauber.

Zum Abendessen machen wir uns ein paar Fertignudeln warm und trinken einen Tee. Dann versuchen wir zu schlafen. Das gelingt uns kaum, immer wieder hören wir es rascheln und summen, ab und zu läuft mir was über den Kopf, so dass ich kreischend aufschrecke. Das Bett knarzt bei jeder Bewegung und die Decken sind klamm und riechen auch nicht super gut.

Das wird wohl die schlimmste Nacht auf der Reise werden.

Ein paar Stunden Schlaf bekommen wir dann vor lauter Erschöpfung noch zusammen, wir wachen erst um 06:00 Uhr auf. Am Morgen verlassen wir allerdings so schnell es geht diese Behausung.

Zum Glück können wir heute über diese Erfahrung lachen und wir haben etwas zu erzählen. Aber in dem Moment war es echt nicht lustig, vor allem, weil wir 120$ bezahlt haben. Die Bilder für diese Unterkunft waren auf der Webseite wirklich toll, und normal haben wir mit privaten B&B immer gute Erfahrungen gemacht. Die Fotos auf der Webseite zeigen allerdings wirklich nicht das, was man bekommt. Sicher, das Haus ist groß und könnte ganz gemütlich sein, wenn es denn sauber wäre. Aber nein, mich juckt es heute noch überall, wenn ich dran denke.

Hotel: Old Pioneer Garden Inn, 2805 Unionville Road, Unionville, NV
Bewertung: mittel +-
Bemerkung: uns hat es nicht gefallen, es war dreckig
Wetter: 35°F (1,6°C) am Morgen später 90°F (32°C) den ganzen Tag sonnig
Sights: Tuscarora, Midas, Winnemucca, Thunder Mountain State Monument
Wanderungen: -
Abendessen: Nudelsuppe im Zimmer

   weiterführende Links